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Countdown-Woche 25: Nicole war beim 40. Internationalen Wolfgangseelauf. Dort ist die ganze Welt himmelblau. Auch ohne Rösslwirtin. [erscheint auch auf typischich.at]

Ich sag’s gleich: Ich bin nicht die 27km gelaufen, sondern “nur” die 10km an Herrn Turnschuhs Seite. Sie dürfen jetzt gerne mit Tomaten nach meinem inneren Schweinehund werfen, ist ja schließlich Ihr eigener Bildschirm, der dann geputzt werden muss ;)
Konzessionen machen gehört unweigerlich dazu: an die Freundschaft, an die Geldbörse, an die Machbarkeit. Aber so oder so: Großes Kino, dieser Lauf!

Das operettenselige St. Wolfgang liegt so idyllisch, dass es hart an der Kitschgrenze schrammt. Allein, das Ortsleben ist Saisonware! Wenn im Sommer die Touristen einfallen, summen und brummen die Gassen wie dereinst der Benatzky’sche Kellner Leopold. Im Oktober hingegen: Bonjour Tristesse! Alles zu und – abgesehen vom nach wie vor grandiosen Postkartenpanorama – trostlos.

Ausser am Laufwochenende! Da sperren die Pensionen wieder für zwei Tage auf, schalten (gottlob!) die Heizung ein und die knapp 3000 Seelen Gemeinde ist AUSGEBUCHT. Und zwar ausschließlich von LäuferInnen: Sneakers und Funktionsshirts wohin man blickt. Das ist soooo weird

Herr Turnschuh und ich reisen am Vortag an, um uns in Ruhe die Startnummern zu holen und Frischluft zu schnuppern – und ich komme mir vor wie Captain Kirk, der durch einen Drehbuchkniff mit der Enterprise auf einem Läuferplaneten notgelandet ist. (Die Outfits kämen da auch teilweise hin…) Jedenfalls die reinste Parallelwelt hier; sowas macht mir Spaß.

Der Spaß wird dann noch größer, als wir beschließen, das klassische Touristen-Ding zu machen und in die Bar des supernoblen Weissen Rössl gehen. Jawohl, in Sneakers. Heute geht das. Und nach einem Aberseer Zirbenzapfenlikör sowieso. Schmeckt wie Saunaaufguss, kostet stolze 5,30. Wie gesagt: Man muss Konzessionen machen – diesmal an’s Lokalkolorit…

Am nächsten Morgen spürt man sie auch, die Zirbenzapfen. Herr Turnschuh meint, laufen wäre eine ganz blöde Idee, wir sollten die Sportart wechseln, z.B. Schachspielen. Als ich das ignoriere, täuscht er einen Lungeninfarkt vor, nur noch übertroffen von “Ich hab meine Sicherheitsnadel verloren [für die Startnummer – Anm.], ich kann nicht mitlaufen!”

Wie ich ihn dann auf die Fähre nach Gschwendt bugsiert hab, kann ich gar nicht mehr sagen… Aber als er im Startfeld steht, ist er wie ausgewechselt. Die Sonne bricht zwischen den Wolken hervor, “Chariots of Fire” ertönt – Klischee pur, aber der psychologische Effekt setzt punktgenau ein! (Sind wir nicht alle ein bisschen Pawlow?) Prompt läuft Herr Turnschuh persönliche Rekordzeit.

Und der Lauf ist ein schöner, mitten durch die Postkarte, auf schmalen Wegen zwischen Birken und Kühen, erst zum Schluss geht’s auf die Autostraße. Vor mir läuft ein sehr sympathisches Message-Shirt: “Laufen für das Essen danach!”. Hach. Muss den ganzen restlichen Weg an Hirschragout denken.

Anyway. Weil ich mich vor den 27km gedrückt habe, beschließe ich zum Ausgleich die 10km wenigstens unter 1h 15’ zu schaffen. Objektiv langsam, aber für mich fühlt sich das schnell an. Und tatsächlich: Es geht! Mache dabei bloß die Erfahrung, dass da noch ein ordentliches Konditions-Manko zu bekämpfen ist… Ok, genau das geh ich diesen Freitag an! Wie? Lassen Sie sich überraschen!


P.S. Herzliche Gratulation an die Kurdirektion St. Wolfgang! Ich habe noch nie einen Lauf erlebt, der derart reibungslos organisiert war – von der Fähre bis zum Jackentransport, ganz ohne Wartezeiten. Chapeau!

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