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“Laufe auf Abwegen!” schlägt mir die WIENERIN in ihrer druckfrischen Mai-Ausgabe vor. Nicoles Pfad ohne Wiederkehr hatten die Kolleginnen dabei aber nicht im Sinn… [erscheint auch auf typischich.at]

Kennen Sie Ratten? Also nicht die Nager, die manchmal tot am Donaukanal rumliegen, sondern die steirische Gemeinde? Ratten, das wird Ihnen Wikipedia verraten, liegt auch herum: zwischen Pretulalpe und Joglland im oberen Feistritztal. Darüber liegt Ratten Oberdorf, darunter Ratten Unterdorf – wär’s umgekehrt, wär’s noch verwirrender, so aber kann man sich zumindest an der Strömungsrichtung der Feistritz orientieren, wenn man wissen will, wo oben und unten ist. Außer man hat null Ahnung, dass das überhaupt die Feistritz ist. Auftritt: Nicole.

Ein Wochenende mit den Kindern am Ponyhof ist immer gut, denke ich. Während die Mädels Ponys striegeln und Häschen füttern, bleibt mir Zeit zum Laufen: Also Schuhe, gute Vorsätze und Handy mit GPS in den Koffer gepackt! Auf geht’s zur Mission Hupf-in-Gatsch. “Immer mehr Läufer entdecken, dass es (sich) besser läuft, wenn sie neue Wege einschlagen”, steht in der WIENERIN, “Querfeldein, über Stock und Stein, durch Wiesen und Wälder, bergauf und bergab. Denn Trailrun (…) ist vielseitiger und abwechslungsreicher als schnödes Laufen auf Asphalt und damit auch um einiges effektiver.” Tatsache ist: Ich kann die Hauptallee echt nicht mehr sehen. Ratten, ich komme!

“Haben Sie einen Umgebungsplan?” frag ich an der Rezeption und werde sofort hilfsbereit mit zwei Optionen belohnt: Ein dicker Prospekt über Hotels in Roseggers Waldheimat. Den könnten sie mir borgen, auf der Rückseite ist eine stumme Karte aufgedruckt… Oder ein Faltplan der Steiermark, etwa so groß wie ich. Beides krieg ich niemals in meine Bananentasche. “Ach, erklären Sie’s mir einfach”, sag ich, “Ich merk’s mir schon!” Famous last words.

Als ich losstarte, schüttet es bereits in Strömen. Das wird sich bessern, sobald ich im Wald bin, hoff ich. Zumindest merkt man’s dort nicht so. Ich weiß, ich muss immer den bunten Wegweisern folgen. Außer es steht wo “Ochabauer” drauf. Dann muss ich in die andere Richtung. Davor muss ich “beim Zauberbaum abbiegen” und “runter an zwei Bauernhöfen” vorbei. Dort nehm ich ein kleines “Wegerl, das man leicht übersieht” links in den Wald und ab da kann ich “eh nix mehr falsch machen”. Die Runde ist schlappe vier Kilometer. In einer halben Stunde bin ich wieder zurück – das geht sich gut aus vor’m Abendessen und bevor’s finster wird. Finster im Wald mag ich nicht. Man hört ja immer wieder von Grizzlybären in der Steiermark!

Ansonsten bin ich mutig. Komme mir mindestens so cool vor wie Lara Croft. (Zugegeben, mit meinem Regenmützerl schau ich eher aus wie Link aus Zelda…). Mein Jump-and-Run-Level geht über Baumwurzeln und Gatschlöcher. Waldlauf ist nett.

Bis die Wegweiser plötzlich weg sind. Nämlich alle, die bunten ebenso wie der zum “Ochabauer”. “Runter” geht es zwar schon – aber mehrfach! Welches “runter” nehm ich da? Bauernhof seh ich keinen, geschweige denn zwei. Google Maps? GPS? Schneckn! Irgendwo im Nirgendwo hat das Handy natürlich keinen Empfang. Die Zelda-Ocarina im Kopf verstummt und macht dem “Schweigen der Lämmer”-Soundtrack Platz. Ob Herzrasen auch als Cardio-Training gilt? Wo zum Henker bin ich?

Als der Wald aufhört, fangen die Schilder wieder an. Bloß stehen ganz andere Sachen drauf.
Dieses ist rührend, hilft aber nicht viel weiter:

Jedenfalls Zivilisation hier – bloß welcher Teil davon? Menschen zum Fragen seh ich keine. Wie auch? Bei dem Sauwetter tät ich auch nicht rausgehen. Eine Staumauer ist da. Erwäge, mich von ihr zu stürzen. Nasser kann ich eh nimma werden. Besser kurz und schmerzlos, als in der Wildnis verrotten…

Fragen Sie mich nicht, wie, aber nach drei Stunden war ich, eingegatscht wie ein Grundwehrdiener, wieder am Ponyhof. Das Leben ist kein selbiger. “Bravo, Mama!” jubeln die Mädels. “Wow”, sagt der Kindsvater anerkennend, “Drei Stunden Trailrun! Du bist echt tough!” Ich hab’s ihnen nicht verraten…

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