Feed on
Posts
Comments

30.000 Frauen starten heuer beim Österreichischen Frauenlauf. Und ein Mann. Fein. Kömma jetzt bitte wieder mit der Polemik aufhören? [erscheint auch auf typischich.at]

Leute, Leute, ich werd jetzt sicher eine am Deckel kriegen, aber: Der Frauenlauf verbietet einer männlichen Begleitperson mitzulaufen und da gibt’s ein riesen Bahö und alle nennen’s Diskriminierung. Kann mir das wer erklären? Ich sag’s gleich: Ich find das ok. Und dass sie’s inzwischen erlaubt haben und die Statuten ändern, find ich auch ok. Nein, nicht bloß ok, das mit dem Ändern find ich richtig gut, weil empathisches Menschln ist immer angebrachter als Hardlinerei. Aber dennoch: Es ist ihre Party und somit sind’s ihre Regeln. Wenn mir die Regeln nicht gefallen, muss ich nicht mitlaufen. Ich kann’s persönlich boykottieren.

Warum möchte Frau Prerowsky beim Frauenlauf mitmachen? An der angebotenen Distanz wird’s nicht liegen, denn 5 und 10km Läufe gibt’s wie Sand am Meer. Ich nehm deshalb mal an, es ist wegen der ganz speziellen Stimmung, die dort herrscht. Und wodurch kommt die spezielle Stimmung zustande? Eben wegen jener “Nur Frauen”-Regel, die sie dem STANDARD gegenüber ankreidet.

Having said that: In Wien gibt’s am 17. Juni einen reinen Männerlauf. Ich würde nie auf die Idee kommen, mich dort anzumelden, außer mir wächst über Nacht plötzlich ein Penis – aber dann hätte ich vermutlich auch andere Sorgen…
Ich komm aber auch nicht auf die Idee, mich diskriminiert zu fühlen, weil ich nicht hindarf.

Es gibt vieles, was – je nach Veranstaltung – bei Läufen verboten ist: Das Begleiten der Teilnehmenden am Fahrrad zum Beispiel. Hat da schon jemals jemand gesagt “RadfahrerInnen-Diskriminierung”?

Ich halte mich für sensibel, wenngleich sicher nicht unfehlbar, was das Thema Benachteiligung durch Ethnizität, Geschlecht, Behinderung oder Alter anbelangt. Es mag also sein, dass ich im vorliegenden Beispiel einfach was übersehen hab. Dann möge man mir die Schasaugertheit verzeihen und mir in für mein Alter angemessener Großdruckschrift zeigen, wo’s hakt. Bis das wer tut, werd ich’s nämlich nicht erkennen.

Noch in den 1960er Jahren durften Frauen bei Laufveranstaltungen dieser Größe überhaupt nicht teilnehmen. 800 Meter war die maximal zugelassene Wettkampfdistanz, denn man ging davon aus, dass Langstreckenlauf einerseits unfruchtbar (durch das dauernde Aufprallen der Gebärmutter), andererseits häßlich macht. Frauen, hieß es, bekämen vom Laufen zu dicke Beine. Dieses ästhetische No-Go wollte man(n) verhindern.

DAS, meine Lieben, empfinde ich als Diskriminierung. Den Männerlauf im Prater hingegen überhaupt nicht.  Ebensowenig wie das Männerverbot beim Frauenlauf.

Apropos Frauenlauf: Sieht so aus, als hätt ich da einen Startplatz zu vergeben :)
Mehr dazu nächste Woche im Laufblog: Same time, same station!

Share:
  • Twitter
  • Facebook
  • email
  • del.icio.us
  • Posterous
  • Tumblr

Tags: , ,

“Laufe auf Abwegen!” schlägt mir die WIENERIN in ihrer druckfrischen Mai-Ausgabe vor. Nicoles Pfad ohne Wiederkehr hatten die Kolleginnen dabei aber nicht im Sinn… [erscheint auch auf typischich.at]

Kennen Sie Ratten? Also nicht die Nager, die manchmal tot am Donaukanal rumliegen, sondern die steirische Gemeinde? Ratten, das wird Ihnen Wikipedia verraten, liegt auch herum: zwischen Pretulalpe und Joglland im oberen Feistritztal. Darüber liegt Ratten Oberdorf, darunter Ratten Unterdorf – wär’s umgekehrt, wär’s noch verwirrender, so aber kann man sich zumindest an der Strömungsrichtung der Feistritz orientieren, wenn man wissen will, wo oben und unten ist. Außer man hat null Ahnung, dass das überhaupt die Feistritz ist. Auftritt: Nicole.

Ein Wochenende mit den Kindern am Ponyhof ist immer gut, denke ich. Während die Mädels Ponys striegeln und Häschen füttern, bleibt mir Zeit zum Laufen: Also Schuhe, gute Vorsätze und Handy mit GPS in den Koffer gepackt! Auf geht’s zur Mission Hupf-in-Gatsch. “Immer mehr Läufer entdecken, dass es (sich) besser läuft, wenn sie neue Wege einschlagen”, steht in der WIENERIN, “Querfeldein, über Stock und Stein, durch Wiesen und Wälder, bergauf und bergab. Denn Trailrun (…) ist vielseitiger und abwechslungsreicher als schnödes Laufen auf Asphalt und damit auch um einiges effektiver.” Tatsache ist: Ich kann die Hauptallee echt nicht mehr sehen. Ratten, ich komme!

“Haben Sie einen Umgebungsplan?” frag ich an der Rezeption und werde sofort hilfsbereit mit zwei Optionen belohnt: Ein dicker Prospekt über Hotels in Roseggers Waldheimat. Den könnten sie mir borgen, auf der Rückseite ist eine stumme Karte aufgedruckt… Oder ein Faltplan der Steiermark, etwa so groß wie ich. Beides krieg ich niemals in meine Bananentasche. “Ach, erklären Sie’s mir einfach”, sag ich, “Ich merk’s mir schon!” Famous last words.

Als ich losstarte, schüttet es bereits in Strömen. Das wird sich bessern, sobald ich im Wald bin, hoff ich. Zumindest merkt man’s dort nicht so. Ich weiß, ich muss immer den bunten Wegweisern folgen. Außer es steht wo “Ochabauer” drauf. Dann muss ich in die andere Richtung. Davor muss ich “beim Zauberbaum abbiegen” und “runter an zwei Bauernhöfen” vorbei. Dort nehm ich ein kleines “Wegerl, das man leicht übersieht” links in den Wald und ab da kann ich “eh nix mehr falsch machen”. Die Runde ist schlappe vier Kilometer. In einer halben Stunde bin ich wieder zurück – das geht sich gut aus vor’m Abendessen und bevor’s finster wird. Finster im Wald mag ich nicht. Man hört ja immer wieder von Grizzlybären in der Steiermark!

Ansonsten bin ich mutig. Komme mir mindestens so cool vor wie Lara Croft. (Zugegeben, mit meinem Regenmützerl schau ich eher aus wie Link aus Zelda…). Mein Jump-and-Run-Level geht über Baumwurzeln und Gatschlöcher. Waldlauf ist nett.

Bis die Wegweiser plötzlich weg sind. Nämlich alle, die bunten ebenso wie der zum “Ochabauer”. “Runter” geht es zwar schon – aber mehrfach! Welches “runter” nehm ich da? Bauernhof seh ich keinen, geschweige denn zwei. Google Maps? GPS? Schneckn! Irgendwo im Nirgendwo hat das Handy natürlich keinen Empfang. Die Zelda-Ocarina im Kopf verstummt und macht dem “Schweigen der Lämmer”-Soundtrack Platz. Ob Herzrasen auch als Cardio-Training gilt? Wo zum Henker bin ich?

Als der Wald aufhört, fangen die Schilder wieder an. Bloß stehen ganz andere Sachen drauf.
Dieses ist rührend, hilft aber nicht viel weiter:

Jedenfalls Zivilisation hier – bloß welcher Teil davon? Menschen zum Fragen seh ich keine. Wie auch? Bei dem Sauwetter tät ich auch nicht rausgehen. Eine Staumauer ist da. Erwäge, mich von ihr zu stürzen. Nasser kann ich eh nimma werden. Besser kurz und schmerzlos, als in der Wildnis verrotten…

Fragen Sie mich nicht, wie, aber nach drei Stunden war ich, eingegatscht wie ein Grundwehrdiener, wieder am Ponyhof. Das Leben ist kein selbiger. “Bravo, Mama!” jubeln die Mädels. “Wow”, sagt der Kindsvater anerkennend, “Drei Stunden Trailrun! Du bist echt tough!” Ich hab’s ihnen nicht verraten…

Share:
  • Twitter
  • Facebook
  • email
  • del.icio.us
  • Posterous
  • Tumblr

Tags:

Geier

„Did you ever let your lover see the stranger in yourself?“ – Billy Joel, The Stranger, 1977

Sie hatte gekocht. Er hatte einen ausnehmend guten Wein aufgemacht. Und dann sind sie zu dritt auf seinem Sofa gesessen: Er, L. und der Aasgeier. Den hatte L. nicht bemerkt, als er beim Fenster hereinflog, aber jetzt saß er auf der Lehne des neuen KARE-Schnäppchens und wartete auf die Leiche. Dass sie kichern musste, lag nicht nur am Wein. Plötzlich fand sie das alles unheimlich komisch. “Flieg heim, Depp”, sagte sie, “Die Sache ist längst gegessen.” Denn natürlich hatte der Geier recht: Der Mann, in den L. sich vor Jahren so glühend verliebt hatte, war tot. Der Doppelgänger am Fußende des Sofas sah ihm bloß täuschend ähnlich. Sie wusste das ebenso wie der Geier, vermutlich sogar länger als er. Der einzige, der’s nicht zu merken schien, war der Doppelgänger.

Je ehrlicher L. zu sich selber war, desto stärker konnte sie die Leiche riechen. Schnell steckte sie die Nase ins Weinglas. Heute wollte sie nicht ehrlich sein, sie kam so gerne her!
Sie sah ihn an. Er war schön. Äußerlich sah man die Veränderung nicht, nur die Schultern wirkten stärker gebeugt. Sie wollte die Hand danach ausstrecken, seine Verspannung lösen. Aber da war wieder diese Angst vor der Zurückweisung. Während der Doppelgänger aus dem “Profil” zitierte, streichelte L. ihn also mit den Augen. Traurig war das und tröstlich. Wie das Blättern in alten Fotoalben. Und mit einem Mal wusste sie, warum der Geier da war: Der wollte gar nicht seine Leiche. Der wollte ihre. “Schon gut”, sagte L., “Ich habe verstanden.” Und ging leise hinaus.

[Herzfrequenz-Kolumne für die WIENERIN 272/ Mai 2012]

Share:
  • Twitter
  • Facebook
  • email
  • del.icio.us
  • Posterous
  • Tumblr

Tags: , , ,

#incommunicado

Kunst hat Recht. Unbestritten. Aber wie steht’s mit Gerhard Ruiss? Und was hat das mit Bassistinnen-Sex zu tun? [erschienen im WIENER 367/Mai 2012 - ja, ich weiß, wir hatten das Thema im Blog schon mal, aber im Heft halt noch nicht...]

„Linkin Park verhält sich zu Limp Bizkit wie Pearl Jam zu Nirvana?“, frage ich. “Klar”, sagt Max, „Das sagt zumindest Immanuel Kant.“

Der ehemalige WIENER-Autor Michel Reimon hat einen Roman geschrieben. #incommunicado heisst der, steht gratis zum Download im Netz, weil Reimon keine Lust auf das leidige Verlagsabklappern hatte – und obiges Zitat ist eine meiner Lieblingsstellen. Nur, dass sie so gar nicht im Buch vorkommt. Ich hab sie ein bißchen geändert, damit sie besser an den Kolumnen-Anfang passt…

Vor meinem geistigen Auge sehe ich Gerhard Ruiss, Galionsfigur der Kampagne “Kunst hat Recht”, im Karree hüpfen ob dieser Dreistigkeit. Vier Jahre Nachtarbeit und akribische Recherche stecken in dem Reimon-Buch. Und da komm ich daher und schreib’s um. Ok, nur ein bissl. Aber hallo, wo bleibt da der Respekt vor der Werkintegrität?
Lassen Sie mich das klarstellen: Ich habe großen Respekt vor diesem 600-Seiten-Monster rund um Musik, Internet, Revolution, Kapital und, ja genau, Urheberrecht. Alles drin von Leiche bis zu Bassistinnen-Sex. Und eben weil ich großen Respekt habe, hab ich ziemlich genau nachgelesen, wie das Werk lizensiert ist. Schau an, da sind Änderungen gar nicht verboten!

Getreu der Erkenntnis, dass Kultur immer auf Kultur aufbaut, dass alles um uns ein Remix von bereits Dagewesenem ist, wurde #incommunicado vom Autor zur Bearbeitung freigegeben. Muss ja eigentlich, wenn man bedenkt, welch popkulturelles Mashup das Buch selber ist. (Wer dran zweifelt: Noch mal das Eingangszitat lesen…) Jedenfalls: Diese Freigabe ist ziemlich gut. Ohne Verlag fehlt Neo-Romancier Reimon nämlich auch ein Lektor. Den erspart er sich durch das freundliche “Crowd-Lektorat”, das sich rund um Corinna Milborn via Twitter zusammengefunden hat. Auch von einer englischen Übersetzung des Werkes wird gemunkelt… Hier spielt mein geistiges Auge wieder einen Film ab, diesmal nicht Rumpelstilzchen, sondern Hollywood: Burgenländischer Nerd stellt Manuskript online und wird weltberühmt. Hach! Der Haken an dieser Rags-to-Riches-Story sind jedoch die mangelnden “Riches”: Tantiemen kriegt Reimon keine, egal wie oft #incommunicado gelesen wird. Find ich doof. Kunst muss bezahlt werden. (Da bin ich zur Abwechslung mal ganz bei Ruiss.)

Aber der Reimon ist ja nicht naiv. Der weiß schon, was – und vor allem warum – er tut. “Wenn man von durchschnittlichen Verkaufszahlen ausgeht”, sagt er, “Dann verdient ein Autor an einem Roman einen Betrag im niedrigen einstelligen Tausender-Bereich. Für viereinhalb Jahre Nachtarbeit ist das eine lächerliche Summe. Autoren verdienen am Besten mit Lesungen. Sie verkaufen dann ihre persönliche Arbeitszeit. Die ist nämlich sehr knapp und gut vermarktbar. Fragen Sie Charlotte Roche.”

Ob die Rechnung aufgeht, wird das #incommunicado Experiment zeigen. Sie können’s auf reimon.net mitverfolgen. Oder besser noch: Laden Sie ihn zu einer Lesung ein!

„Linkin Park verhält sich zu Limp Bizkit wie Pearl Jam zu Nirvana?“, frage ich. “Klar”, sagt Max, „Das sagt zumindest Immanuel Kant.“

Der ehemalige WIENER-Autor Michel Reimon hat einen Roman geschrieben. #incommunicado heisst der, steht gratis zum Download im Netz, weil Reimon keine Lust auf das leidige Verlagsabklappern hatte – und obiges Zitat ist eine meiner Lieblingsstellen. Nur, dass sie so gar nicht im Buch vorkommt. Ich hab sie ein bißchen geändert, damit sie besser an den Kolumnen-Anfang passt…

Vor meinem geistigen Auge sehe ich Gerhard Ruiss, Galionsfigur der Kampagne “Kunst hat Recht”, im Karree hüpfen ob dieser Dreistigkeit. Vier Jahre Nachtarbeit und akribische Recherche stecken in dem Reimon-Buch. Und da komm ich daher und schreib’s um. Ok, nur ein bissl. Aber hallo, wo bleibt da der Respekt vor der Werkintegrität?
Lassen Sie mich das klarstellen: Ich habe großen Respekt vor diesem 600-Seiten-Monster rund um Musik, Internet, Revolution, Kapital und, ja genau, Urheberrecht. Alles drin von Leiche bis zu Bassistinnen-Sex. Und eben weil ich großen Respekt habe, hab ich ziemlich genau nachgelesen, wie das Werk lizensiert ist. Schau an, da sind Änderungen gar nicht verboten!

Getreu der Erkenntnis, dass Kultur immer auf Kultur aufbaut, dass alles um uns ein Remix von bereits Dagewesenem ist, wurde #incommunicado vom Autor zur Bearbeitung freigegeben. Muss ja eigentlich, wenn man bedenkt, welch popkulturelles Mashup das Buch selber ist. (Wer dran zweifelt: Noch mal das Eingangszitat lesen…) Jedenfalls: Diese Freigabe ist ziemlich gut. Ohne Verlag fehlt Neo-Romancier Reimon nämlich auch ein Lektor. Den erspart er sich durch das freundliche “Crowd-Lektorat”, das sich rund um Corinna Milborn via Twitter zusammengefunden hat. Auch von einer englischen Übersetzung des Werkes wird gemunkelt… Hier spielt mein geistiges Auge wieder einen Film ab, diesmal nicht Rumpelstilzchen, sondern Hollywood: Burgenländischer Nerd stellt Manuskript online und wird weltberühmt. Hach! Der Haken an dieser Rags-to-Riches-Story sind jedoch die mangelnden “Riches”: Tantiemen kriegt Reimon keine, egal wie oft #incommunicado gelesen wird. Find ich doof. Kunst muss bezahlt werden. (Da bin ich zur Abwechslung mal ganz bei Ruiss.)

Aber der Reimon ist ja nicht naiv. Der weiß schon, was – und vor allem warum – er tut. “Wenn man von durchschnittlichen Verkaufszahlen ausgeht”, sagt er, “Dann verdient ein Autor an einem Roman einen Betrag im niedrigen einstelligen Tausender-Bereich. Für viereinhalb Jahre Nachtarbeit ist das eine lächerliche Summe. Autoren verdienen am Besten mit Lesungen. Sie verkaufen dann ihre persönliche Arbeitszeit. Die ist nämlich sehr knapp und gut vermarktbar. Fragen Sie Charlotte Roche.”

Ob die Rechnung aufgeht, wird das #incommunicado Experiment zeigen. Sie können’s auf reimon.net mitverfolgen. Oder besser noch: Laden Sie ihn zu einer Lesung ein!

Share:
  • Twitter
  • Facebook
  • email
  • del.icio.us
  • Posterous
  • Tumblr

Tags: ,

Recap, Reset

Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel. Die Frage ist bloß: Vor welchem? [erscheint auch auf typischich.at]

Gemütliches Post-Marathon-Grillen mit der Ursprungsfamilie. Also nicht, dass Sie jetzt denken, Läuferinnen bekommen Steaks zur Stärkung. Gegrillt werd in dem Fall ich. Grillmeister ist meine Mutter. “Du hast ja wohl nicht ernsthaft vorgehabt, 42 Kilometer zu laufen”, sagt sie, adding insult to injury. “Äh, hallo?”, denke ich, “Worum ging’s denn in den letzten 10 Monaten?”. Ich schaue verdattert, ringe mich aber zu einem diplomatisch gemurmelten “eigntlichschon” durch. “Blödsinn”, sagt sie, “Niemand läuft 42 Kilometer!”

Kurz will ich die 37.000 Anmeldungen beim VCM ins Spiel bringen, lasse es aber. Ich weiß eh, wie sie’s meint: Niemand, mit der “3er im Turnen, kann nicht einmal Volleyballspielen”-Vergangenheit ihrer Tochter läuft die 42…
Hmpf, denke ich. Beim Laufen muss man aber keinen Ball treffen! “Ich werd das sicher noch machen”, sag ich. “Aber vielleicht war’s ein Fehler, es in Wien zu probieren. Vielleicht versuch ich’s das nächste Mal in Berlin. Dort ist es leichter.” – “Das glaub ich nicht”, sagt mein Vater, “In Berlin ist der Marathon wahrscheinlich auch nicht kürzer als 42km.”

Nein, ist er nicht. Aber Berlin ist flach. Nur 27 Meter liegen zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Punkt der Strecke, weshalb sie als eine der schnellsten der Welt gilt. In Wien hingegen – das weiß jeder Radfahrer – geht’s dauernd bergauf oder bergab. Und das ist nicht mal der Hauptanreiz für mich. Aber: In Berlin ist der Stadtmarathon weitaus mehr Volkssport. Da laufen, so heisst es, viele mit, die keine Höchstleistungs-Ambition, sondern einfach nur Spaß haben – und entsprechend gibt es auch nicht so g’schwind einen Besenwagen, der die Langsamen von der Straße kehrt. Sie wissen ja, mein Besenwagen-Trauma… *schauder*

Neues Nicole-Gesetz: “Jeder Marathon ohne übereifrigen Besenwagen ist ein guter Marathon!” Berlin ist Ende September. Super Zeitfenster, um noch Kondition zu tanken. Bloß schon ausverkauft, gibt keinen Startplatz mehr. Bäh. Wachau wär eine (ur-faaaaade!) Alternative. Ich überleg mir das mal…

“Egal ob Berlin, Wien oder Wachau. Du hättest halt trainieren müssen”, sagt mein Vater, “Ohne Training schafft man das nicht.” – “Äh, hallo?”, denke ich erneut, “Worum ging’s denn in den letzten 10 Monaten?” Aber ich sag nichts. Ich weiß eh, wie er’s meint…

Komisch fühlt sich’s jedenfalls an, wenn so ein gestecktes Ziel vorbei und ein neues noch nicht in Sicht ist. Das braucht jetzt alles ein bißchen Nachdenk- und Orientierungspause. Wo laufen? Wann trainieren? Weiterbloggen? Oder die vielen Schreibstunden statt dessen für den obligaten “Long-Jog” pro Woche nutzen?

Der Regen hat gerade aufgehört. Ich binde mir die Schuhe zu, stöpsle den iPod ein und geh donaukanalwärts… nachdenken…

Share:
  • Twitter
  • Facebook
  • email
  • del.icio.us
  • Posterous
  • Tumblr

Tags:

« Newer Posts - Older Posts »