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TPD 9

Der wunderbare Schriftsteller Frederik Hetmann hat ein Reisetagebuch über Amerika geschrieben. Ich hab es als Kind gelesen und mich verliebt. Nicht in Amerika. Aber in das Genre Reisetagebuch. Oder nein: In den Gedanken, man könne Reisetagebücher so schreiben wie Frederik Hetmann.
Heute weiß ich gar nicht mehr, wie das eigentlich war. Nur die Erinnerung an die Faszination ist geblieben, nicht die Erinnerung daran, was mich fasziniert hat.

Und die Erinnerung an die Big Rock Candy Mountains, eine Art amerikanisches Schlaraffenland, besungen in Folk Songs. Aus den Quellen sprudelt dort Limonade, die Hühner legen weichgekochte Eier und man muss niemals die Socken wechseln.

Im Buch gibt es ein Telefonat zwischen Hetmann und der Presse-Dame, die ihm hilft, die Reise zu organisieren. Auf jede Hetmann’sche Frage reagiert sie mit einem „Sure, no problem. Das kriegen wir hin.“ Schließlich fühlt Hetmann sich so irritiert durch jemanden, der offensichtlich alles hinkriegt, dass er sagt: „Und dann möchte ich noch zu den Big Rock Candy Mountains fahren.“
Die Pressedame zögert kurz. Dann erwidert sie „Sure, no problem. Das kriegen wir hin.“
Warum mir ausgerechnet diese Szene in Erinnerung ist: keine Ahnung.

However.

Die Pressebetreuerin von Hapag-Lloyd ruft an und sagt: „Ich muss das Briefing für das Schiff fertig machen. Haben Sie noch irgendwelche Wünsche?“
Hmmm. Ich habe keine Allergien und keine speziellen Diät-Bedürfnisse. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was für Wünsche ich haben könnte. Aber: „Darf ich auf die Brücke?“ – „Klar“, sagt sie, „Das schreibe ich rein. Wollen Sie mit dem Kapitän reden?“ – „Jaaaaaaaa!“ sage ich euphorisch. „Gut“, sagt sie, „Das schreibe ich rein.“ – „Ah… und… ich würde gerne bloggen. Kann ich Internet haben?“ – „Klar. Das schreibe ich rein.“ – „Und können wir einen Abstecher zu den Big Rock Candy Mountains machen?“ – „Tut mir leid“, sagt sie, „Die Route des Schiffs ist vorgegeben.“

Well almost.

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