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Goschn halten

„Ein Mensch, der seine Gedanken immer für sich behält, hat vielleicht gar keine.“ (André Heller)

“Andere sind schon für weniger nach Hause geschickt worden”, sagt der Mann. Und recht hat er. Warum mach ich sowas auch? Eben lümmle ich noch auf seinem Sofa herum, wir haben gedämpftes Licht und die obligate Flasche Wein. Keine Ahnung, wie er sich den weiteren Abend vorstellt, aber wie ich ihn mir vorstelle, ist an meinem “Da muss ich mir zwanzig mal die Haare hinters Ohr streichen” ziemlich deutlich erkennbar. “Du bist ja ganz verspannt”, sagt er, “wart, ich massier dir den Rücken.” Tut er auch. Und dabei erzählt er mir romantische Dinge. Vom Sturz des Kapitalismus, von gerechter Bezahlung für Ö1-Journalisten etc. [Anm.: ich lande immer nur auf Sofas von Männern, die sich ein Stück Revolution im Herz bewahrt haben. Das ist auch gut so.] Während er mir also die Schultern mit Kardamom-Öl (aber hallo!) einreibt, flüstert er: “Hast du Schirrmachers Position dazu gelesen? Die macht absolut Sinn.” – “Das tut sie nicht”, murmle ich, “Sie ergibt oder sie hat Sinn. Machen tut sie definitv keinen.”

Ritsch. Man kann richtig hören wie die Nadel, die vorher smooth ihre Runden auf der Vinyl-Scheibe der Verheißungen gedreht hat, plötzlich quer über den Plattenteller scratcht. Nicole, du Trampel, halt doch die Goschn! Aber es geht nicht. “Eine Frau muss kochen und schreiben können”, meinte Freund T. unlängst. Bei Männern bin ich da radikaler: Kochen ist nicht wichtig.

Wir haben noch ein paar Nettigkeiten ausgetauscht und ich war rechtzeitig zur Columbo Wiederholung daheim.

[Herzfrequenz-Kolumne für die WIENERIN 284/ Mai 2013]

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