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Ruhestörung

“Du kannst deinen Kindern deine Liebe geben, nicht aber deine Gedanken. Sie haben ihre eigenen.” – Khalil Gibran, Dichter (1883 – 1931)

Die Liebe meines Lebens liegt neben mir und schnarcht. Jeder andere wäre hochkant aus dem Bett geflogen. Da kenn ich nix. Ich bin Scharch-Phobikerin. Aber bei ihr ist das anders; ich schau sie an und denke: “Die ganze Nacht tät ich wach bleiben, um dir zuzuhören, du Flausch!” Schließlich hat sich Mozart durch dieses Schnarchen zur Sonate in B-Dur (KV 358) inspirieren lassen. Und während ich noch darüber nachdenke, ob das ein guter Plot für “Back to the Future 4” wäre, steckt sie mir ihre Zehe in die Nase. Bäh.
“Käsefuß” murmelt das Bauchgefühl, doch der Protest währt kein Sekundenhundertstel. Sofort springt die Oxytocin-Maschinerie an. Jetzt ist der Fuß süß; er riecht nach Vanille-Flausch.

Eh ich’s vergesse: Sie liegt natürlich auf meiner Seite des Bettes. Nein. Korrektur: Sie liegt auf beiden Seiten. Nämlich quer. “Gut so!”, denk ich beduselt vom Hormon-High, “Eine Frau, die keine Angst hat, sich gegen größere durchzusetzen!” Das wird sie brauchen. Spätestens morgen früh, wenn ich ihr sage, sie soll schneller machen, sie kommt zu spät zu ihrem ersten Schultag und geht’s nicht dieses eine Mal ohne Nutella am Leiberl? Nein, Lightning McQueen darf nicht mit. Nein, nicht die rosa Crocs anziehen! Jetzt stell dich nicht immer so an!

Und mit einem Mal bin ich sehr froh, dass sie mich am Schlafen hindert. Rar sind sie, die Flausch-Momente im Alltag. Rarer noch, wenn jetzt die Schule beginnt. Aber Kinder sind listig. Meins hat mir einen in der Nacht geschenkt.

[Herzfrequenz-Kolumne für die WIENERIN 276/ September 2012]

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